Gastvortrag: Literaturwissenschaft

Ein Besuch, der Sprache zum Leben erweckte

Am Gymnasium Schloss Plön durften wir einen besonderen Gast begrüßen: Literaturwissenschaftler PD Dr. Christoph Rauen aus Kiel, der uns mit großer Leidenschaft in die Welt der Sprache und der Versformen einführte. In seinem Vortrag zeigte er eindrucksvoll, wie Sprache durch Regeln wie betonte und unbetonte Silben gesteuert wird und dadurch an Klarheit und Kontrolle gewinnt. Besonders der Alexandriner stand dabei im Mittelpunkt. Brauen verglich solche sprachlichen Regeln mit Schmuck oder Luxusgegenständen: Sie verleihen Sprache Wert, machen sie jedoch zugleich berechenbarer und weniger überraschend.

Anhand historischer Entwicklungen erläuterte er, dass Dichter vor etwa 250 Jahren in Dramen zunächst in Versen sprachen und erst später zur Prosa übergingen. Diese sprachliche Veränderung machte Texte zunehmend alltagsnäher und realitätsbezogener. In diesem Zusammenhang ging er unter anderem auf Lessing ein und zeigte, wie sich Sprache von der Gedichtsform über die Prosa bis hin zu Briefen wandelte. Auch Shakespeare, Schiller und Goethe wurden thematisiert, insbesondere im Hinblick auf den Blankvers, der zwar festen Regeln folgt, diese jedoch variieren kann. Die Romantik übernahm diese Form und lockerte damit das sprachliche „Korsett“.

Im weiteren Verlauf sprach Rauen über Heinrich von Kleist und nutzte „Der zerbrochne Krug“ als Beispiel, um den Blankvers konkret zu verdeutlichen. Anhand vorgelesener Textstellen erklärte er, wie kurze Äußerungen, schnelle Redewechsel und Mehrdeutigkeiten die Zwangslage der Figuren – besonders Adams – sichtbar machen. Begriffe wie Zerstreutheit, doppeldeutige Rede und Anspielungen auf die Erbsünde wurden dabei verständlich herausgearbeitet.

Der Vortrag zeigte eindrucksvoll, wie lebendig und wirkungsvoll Sprache sein kann. Christoph Rauens Begeisterung für sein Thema war deutlich spürbar und wurde zum Abschluss durch persönliche Einblicke in seinen eigenen Werdegang abgerundet – ein Besuch, der nachhaltig beeindruckte. Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine rege Diskussion mit der Schülerschaft des 12. und 13. Jahrgangs. Dabei ging es um den eigentlichen Sinn von „Der zerbrochne Krug“ sowie um die Frage, inwiefern das Stück auch heute noch aktuell ist. Besonders Aspekte von Recht und Gerechtigkeit, Schuld, Verantwortung und sprachlicher Mehrdeutigkeit standen im Mittelpunkt und machten deutlich, dass Kleists Drama bis heute zur kritischen Auseinandersetzung mit Macht, Sprache und moralischem Handeln anregt.