KZ-Gedenkstätte Neuengamme 2026

Exkursion des 13. Jahrgangs.

Früh am Morgen des vergangenen Dienstags, 27.01.2026, machte sich der 13. Jahrgang trotz des eisigen Wetters auf den Weg nach Neuengamme im Südosten von Hamburg. Dort befand sich von 1938 bis 1945 das größte Konzentrationslager Nordwestdeutschlands.

Schon vom Eingang aus, ist das ehemalige Konzentrationslager ein beklemmender Anblick: Ein steinerner Wachturm, ein kurzes Stück vom alten Stacheldrahtzaun, mehrere große Backsteingebäude und dazwischen die nachgebauten Fundamente der abgerissenen Wohnbaracken. 

Für das Geschichtsprofil ging es mit unserem Guide Marie erst einmal nach Drinnen ins Warme, wo wir durch Zeichnungen, die Überlebende des KZs angefertigt hatten, einzigartige Einblicke in den Lageralltag bekamen. 

Danach sahen wir uns die Standorte der ehemaligen Wohnbaracken an. Auf dem gesamten Gelände war eine wirklich bedrückende Stimmung wahrnehmbar. Frost und Schnee ließen uns an diesem Tag grob erahnen, wie schwierig der Winter für die Häftlinge in den unisolierten Baracken gewesen sein muss. 

Die Ausstellung sahen wir uns in kleinen Gruppen an und präsentierten Themen, die wir uns vorher selbst ausgesucht hatten. Für viele von uns war es überraschend, dass es im Lager sogenannte Kapos gab: Häftlinge, die ihre Mitinsassen anleiteten, überwachten und oftmals an die SS verrieten. Auch ansonsten gab es im KZ Neuengamme eine geregelte Hierarchie unter den Häftlingen. Sie war vor allem von der nationalsozialistischen Rassenideologie und dem Haftgrund abhängig. Je nachdem, wo ein Häftling in dieser Hierarchie einsortiert worden war, teilte die SS ihn zum Arbeitsdienst ein. Dadurch hatte die Position innerhalb der Lagerhierarchie auch immensen Einfluss auf die Überlebenschancen der Insassen.

Als nächstes gingen wir zu einem Ort, den kaum jemand aus unserem Profil in einem KZ vermutet hätte: dem Lagerbordell. Es war Teil eines von der SS eingeführten Prämiensystems für die Kapos in den späteren Jahren des Lagers. In dieser Baracke lebten die einzigen weiblichen Häftlinge des Stammlagers Neuengamme. Ansonsten handelte es sich bei der heutigen Gedenkstätte um ein reines Männerlager. Die Frauen hatten eigene Außenlager.

Zum Schluss stapften wir durch den Schnee noch zum alten Klinkerwerk, vorbei am ehemaligen Wohnbereich der SS und der Rekonstruktion einer Tongrube. Die Insassen, die für die Arbeit in diesen Gruben eingeteilt wurden, überlebten oftmals nur wenige Tage, erklärte uns Marie. Der gewonnene Ton wurde anschließend in den riesigen Hallen des Klinkerwerks zu Ziegeln gebrannt. Heute sind die Öfen verschwunden, die Hallen leer.

Vor der Heimfahrt besuchten einige von uns noch das „Haus des Gedenkens“. Auf großen Stoffbahnen sind dort die Namen der Häftlinge vermerkt, von denen bekannt ist, dass sie im KZ Neuengamme ermordet wurden. Unzählige leere Stoffrollen stehen für die vielen unbekannten Opfer.

Der Besuch in dieser wichtigen Gedenkstätte hat uns einen detaillierten Einblick in den Alltag im KZ gewährt und neue Erkenntnisse vermittelt. Die Eindrücke dieses Tages werden uns sicher noch lange im Gedächtnis bleiben. 

Blick über den Hof und die ehemaligen Standorte der Wohnbaracken

In der Ausstellung

Halle im alten Klinkerwerk