Umbruchszeiten 2026

Geschichte lebendig gemacht

Gymnasium Schloss Plön erhält zweiten Preis für Begegnungscafé mit Zeitzeugen zur Deutschen Einheit

Jugendliche des Gymnasiums Schloss Plön sind am Montag in Berlin beim bundesweiten Jugendwettbewerb „Umbruchszeiten. Deutschland im Wandel seit der Einheit“ ausgezeichnet worden. Das teilte ein Sprecher mit. Das Projekt „Begegnungscafé der Klasse 11g“ gehört damit zu den bundesweit prämierten Projekten des Wettbewerbs. Es wurde mit einem zweiten Preis gewürdigt.

Birte Belker, Projektleitung und Fachleitung Geschichte am Gymnasium Schloss Plön, sagte: „Es ist beeindruckend,mit welchem Engagement die Jugendlichen in den Kontakt mit den Zeitzeugen getreten sind. Dass ihre Arbeit nun bundesweit ausgezeichnet wird, ist eine schöne Anerkennung für ihren Einsatz und für uns als Schule.“

„Die Geschichte des vereinten Deutschlands ist noch lange nicht auserzählt“, sagte Staatsministerin Elisabeth Kaiser (SPD), Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland. „Der Wettbewerb zeigt, dass gerade das unbefangene Nachfragen junger Menschen helfen kann, ein größeres Verständnis mit Blick auf die 1990er Jahre zu erreichen und den Zusammenhalt zu fördern.“

Die Wettbewerbsrunde stand unter dem Motto „Neue Begegnungen“ – zwischen Ost und West, zwischen Generationen und Kulturen. Die Jugendlichen führten Interviews, sichteten Archive und suchten nach Geschichten in ihren Familien, Schulen, Städten und Gemeinden. Das Projekt aus Plön bringt Menschen zusammen, die den Mauerfall und die deutsche Einheit selbst erlebt haben, und macht ihre Erinnerungen für die junge Generation zugänglich.

Im Mittelpunkt des Projekts steht ein von den Jugendlichen organisiertes Begegnungscafé. Dort berichteten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von ihren ersten Begegnungen nach dem Fall der Mauer, von wiedergefundenen Familienkontakten, neu entstandenen Freundschaften sowie von Spannungen und Unsicherheiten im Zusammenleben von Ost- und Westdeutschen. Auch Erfahrungen von Flucht, politischer Verfolgung und Haft in der DDR fanden Eingang in die Gespräche.

Die Schüler dokumentierten die Interviews und werteten sie aus. Aus den Gesprächen entstand eine Publikation, die biografische Porträts, Interviewausschnitte und historische Einordnungen miteinander verbindet. Zugleich reflektieren die Jugendlichen darin ihre eigene Arbeit mit Zeitzeugen und zeigen, welche Bedeutung persönliche Begegnungen für das Verständnis der deutschen Einheit haben können.

„Aufarbeitung braucht den Dialog – insbesondere zwischen den Generationen“, betonte Anna Kaminsky, Direktorin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. „Die ausgezeichneten Projekte zeigen eindrucksvoll, wie Jugendliche im Gespräch mit der Generation ihrer Eltern und Großeltern Erinnerungen sichern, Erfahrungen dokumentieren und bislang wenig bekannte Geschichten sichtbar machen können.“

Für die vierte Wettbewerbsrunde wurden 307 Beiträge eingereicht – mehr als jemals zuvor seit dem Start des Wettbewerbs im Jahr 2019. Ausgezeichnet wurden 36 Projektgruppen mit mehr als 200 Jugendlichen. Die ersten Preise gingen an die Josef-Annegarn-Sekundarschule in Ostbevern (Nordrhein-Westfalen), das Maria-Ward-Gymnasium in Augsburg (Bayern) und das Lise-Meitner-Gymnasium in Falkensee (Brandenburg).

Die drei Siegergruppen erhalten jeweils 3000 Euro Preisgeld. Die zweiten Preise sind mit jeweils 2000 Euro, die dritten Preise mit jeweils 500 Euro dotiert. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 29.500 Euro vergeben. Der Jugendwettbewerb „Umbruchszeiten. Deutschland im Wandel seit der Einheit“ wird seit 2019 von der Beauftragten der Bundesregierung für Ostdeutschland und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur veranstaltet. Ziel ist es, Jugendliche dazu anzuregen, die Folgen der Friedlichen Revolution, Deutscher Einheit und gesellschaftlichen Wandels zu erforschen und dabei eigene Fragen an die Geschichte zu stellen.

(c) Kieler Nachrichten – Ostholsteiner Zeitung | 17.06.2026