Besuch des ehemaligen Neonazis Philip Schlaffer

Klasse 10b | 01. September 2026

Am 1. September 2026 fand an der Schule ein Vortrag des ehemaligen Neonazis Philip Schlaffer statt. Der 48-Jährige berichtete vor den Schülerinnen und Schülern der 10. Jahrgangsstufe von seinen Erfahrungen in der rechtsextremen Szene, seiner Radikalisierung und seinem Weg aus dem Extremismus. Der Vortrag über vier Schulstunden sollte Jugendliche sensibilisieren und präventiv aufklären.

Der Referent und sein Hintergrund

Philip Schlaffer ist ein Zeitzeuge der rechtsextremen Bewegung in Norddeutschland. Nach eigenen Angaben war er 15 bis 20 Jahre lang aktiv in der rechtsradikalen Szene tätig.Während dieser Zeit gründete er die Gruppierung „Kameradschaft Werwölfe“ in Wismar und übernahm später die Führung des kriminellen Rockerclubs „Schwarze Schar MC“. Philip Schlaffer ist 48 Jahre alt und lebt derzeit in Stockelsdorf bei Lübeck.

Inhalt und Durchführung

Der Vortrag konzentrierte sich auf zwei zentrale Themenschwerpunkte: ● Radikalisierungsweg: Philip berichtete über seine persönliche Geschichte und beschrieb, wie er bereits mit 16 Jahren als Neonazi aktiv wurde. Er reflektierte seinen Übergang zu Gewalt und seine Integration in die rechtsextreme Szene. ● Visuelle Darstellung: Zwei Kurzfilme zeigten die verschiedenen Radikalisierungswege zu extremistischen Gruppen. Ein besonders prägnantes Beispiel war eine Aufnahme einer Demonstration gegen Neonazis, bei der Philip und seine damalige Gruppe mit Baseballschlägern bewaffnet vor ihrem Laden zu sehen waren.

Kommunikation und Engagement der Schüler*innen

Philip stellte sich zu Beginn des Vortrags informell vor und forderte die Schüler*innen auf, ihn zu duzen. Dadurch entwickelte sich eine Atmosphäre, in der alle auf Augenhöhe sind. Seine Aussprache war bewusst offen und enthielt Jugend- und Umgangssprache – eine strategische Wahl, die sich als vorteilhaft erwies. Seine Artikulation war sehr offen und hat viele Jugend- und Fäkalwörter beinhaltet. Das war mit Hinsicht auf die Artikulation der meisten Schüler*innen allerdings hilfreich, da sie durch den Gebrauch des gleichen Wortschatzes offener miteinander kommunizieren konnten. In den ersten 20 bis 25 Minuten waren viele Schülerinnen und Schüler noch zurückhaltend und meldeten sich nur zögernd bei Fragen. Dies änderte sich durch Philips offene Art und humorvollen Einwürfe. Zum Ende des Vortrags waren deutlich mehr Schülerinnen und Schüler bereit, aktiv teilzunehmen und produktive Fragen zu stellen. Bemerkenswert: Fast alle Jugendlichen konnten sich über vier Schulstunden hinweg konzentrieren – ein Beleg für die Effektivität des Formats. Nach dem Vortrag eröffnete Schlaffer eine offene Fragerunde, in der er versprach, jede Frage ehrlich zu beantworten. Die Schülerinnen und Schüler nutzten diese Gelegenheit für Fragen zu seinem aktuellen Leben und seiner Distanzierung von der kriminellen Szene.

Nachbesprechung und Reflexion

Am nächsten Tag fand eine Nachbesprechung mit den Schülerinnen und Schülern statt. Dabei wurde kritisch gefragt, ob es legitim sei, einem ehemaligen Neonazi und Gewaltverbrecher eine Bühne zu bieten. Die Antworten zeigten ein reflektiertes Verständnis: ● „Ja, da er seine Vergangenheit ja nun hinter sich gelassen hat und dadurch glaubhaft aufklären kann“ ● „Ja, um Verständnis für die Komplexität des Problems zu schaffen und Menschen die realen Auswirkungen ihres Handelns zu zeigen“

Lernergebnisse der Schülerinnen und Schüler

Die zentralen Fragen in der Nachbesprechung lauteten: „Was habt ihr von dem Vortrag mitgenommen? Was habt ihr gelernt?“ Die Antworten verdeutlichten die Wirksamkeit eines solchen Vortrags:

● „Gewalt ist keine dauerhafte und wirkungsvolle Lösung“

● „Dass man immer aufpassen sollte, mit welchen Menschen man sich umgibt und ob sie gut für einen sind oder ob sie einem schaden“

● „Das eigene Ego sollte einem niemals im Weg stehen“

● „Wie leicht es ist, andere zu radikalisieren, und dass Gruppenzwang auch zu Tod führen kann“

Fazit: Der Vortrag von Philip Schlaffer hat sich als wirksames präventives Bildungsformat erwiesen. Die unmittelbare, persönliche Erzählung eines Betroffenen schuf Authentizität und ermöglichte es den Jugendlichen, die komplexen Mechanismen von Radikalisierung und Gruppendynamik zu verstehen. Die Schülerinnen und Schüler gewannen nicht nur Einblicke in die Realität extremistischer Strukturen, sondern auch Verständnis für die Komplexität von Ausstiegsprozessen. Die kritische Reflexion über die Legitimität der Plattform demonstrierte zugleich das kritische Denken der Jugendlichen.