Uniluft schnuppern

Uniluft schnuppern im Plöner Kulturbahnhof

Am vergangenen Donnerstag, d. 15. Nov. 2018, fand im Plöner Kulturbahnhof eine Vortragsveranstaltung der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft, Sektion Plön, statt. Es sprach Prof. Dr. Thorsten Burkard vom Institut für Klassische Altertumskunde der CAU Kiel zum Thema des Tyrannenmordes am Beispiel Caesars. Das hatte sich der Lateinkurs des 11. Jahrgangs am Gymnasium Schloss Plön nicht entgehen lassen. Nachdem wir uns vorher noch bei einer Pizza auf die Veranstaltung eingestimmt hatten, ging es auf den Spuren von Cicero und Sueton, unseren antiken Gewährsleuten, auf verschlungenen Pfaden durch die römische Geschichte. Im Zentrum stand dabei der römische Politiker und Feldherr Gaius Julius Caesar, der am Ende – von Erfolg und Größenwahn geblendet – eine Art von monarchischer Herrschaft anstrebte. Dies war mit den Vorstellungen und politischen Idealen der senatorischen Oberschicht nicht vereinbar, und so schritten eine Reihe von Senatoren um Brutus und Cassius zur Tat. An den Iden des März 44 v. Chr. ermordeten sie Caesar in der Hoffnung, dadurch die Gunst des Volkes zu erlangen. Doch statt Dankbarkeit und Anerkennung zu ernten, sahen sie sich als schnöde Mörder gebrandmarkt. Denn Caesar war ein Mann des Volkes gewesen, der es verstanden hatte, die Herzen der Menschen zu gewinnen und sich die Gunst der Massen zu sichern. So war man sich, kaum dass das Blut auf den Dolchen getrocknet war, keinesfalls einig darüber, was dieses politische Attentat eigentlich zu bedeuten hatte. War es die patriotische Tat von Freiheitshelden oder brutaler Mord. Am Ende setzte sich Caesars Großneffe Oktavian, der später den Ehrennamen Augustus verliehen bekam, als Erbe und Nachfolger Caesars durch und konnte seine Version der Geschichte in die römischen Annalen einschreiben. Der Referent des Abends verstand es, die Uneindeutigkeit der Situation im Umfeld der Ermordung Caesars herauszuarbeiten, indem er reichlich aus der zeitgenössischen Briefliteratur zitierte. Das war anregend und spannend zugleich und motivierte die Plöner Schüler zu Fragen, mit denen sich Wissenschaftler wohl nicht so oft konfrontiert sehen. So hatte sich Prof. Burkard am Ende der Frage zu stellen, wie er es mit dem Tyrannenmord halte, ob sich Parallelen zu heutigen Verhältnissen böten und so fort. So war man auf einmal mitten drin in einer allgemeinen Diskussion über Widerstand und Tyrannenmord, die in der deutschen Geschichte auch im 20. Jahrhundert wieder aktuell werden sollte – ein schönes Beispiel für den Gewinn, den die Beschäftigung mit den Klassischen Altertumswissenschaften bis heute bietet. – Wir werden Herrn Skwirblies und die Plöner Sektion der Universitätsgesellschaft bald wieder einmal einen Besuch abstatten.

 

Plöner Gymnasiasten beim Vortrag der Universitätsgesellschaft im Plön Kulturbahnhof – senken den Altersschnitt nicht unerheblich.

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